Geliebt werden ohne Abhängigkeiten

Ein Thema, das mir immer wieder in der Praxis begegnet ist die Suche nach einer bedingungslosen Beziehung. Was bedeutet dies? Unsere Beziehungen sind oft an Bedingungen geknüpft.

Wir sind im Freundeskreis willkommen, weil wir die Mutter von …, oder die Ehefrau von … sind. Vielleicht auch weil wir einen guten Job gemacht haben und deswegen im Ansehen steigen. Wenn aber die Beziehung an das Verhältnis der Kinder gekoppelt ist, wird es kippen sobald die Beziehung der Kinder wahlweise schwierig oder nicht mehr vorhanden ist. Vielleicht auch weil wir unseren Job zu gut gemacht haben und als freundschaftliche Therapeutin nicht mehr gebraucht werden. Letztendlich führen beide Theorien dazu, dass wir uns nicht um unserer selbst geliebt fühlen, sondern die Liebe an äußere Bedingungen geknüpft ist. Diese Äußeren Bedingungen führen dazu,dass wir uns vor uns selbst verleugnen. Unsere Amygdala, die als unser ganz persönlicher Feuermelder fungiert und immer dann anspringt, wenn uns ein aktuelle Erlebnis an ein Erlebnis aus vergangenen Tagen erinnert, meldet in einem solchen Fall Alarm. Die Amygdala ist eine mandelförmige Region in der Mitte des Gehirns, sie ist Teil des limbischen Systems, welches vereinfacht dargestellt als Verabeitungszentrum unserer Emotionen und Gefühle gilt. Verletzende Erfahrungen aus der Vergangenheit prägen unseren Umgang mit Situationen in denen wir Bestätigung und Anerkennung gebraucht hätten und diese nicht bekommen haben. Manchmal treten Muster aus der Kindheit zu Tage die uns unbewusst wieder zum kleinen Kind werden lassen, dass vielleicht am Liebsten trotzig auf den Boden stampfen würde und laut „ich will aber“ ruft.

Kinder gehen mit dem Thema Freundschaft sehr locker um. Wie oft hört man im Kindergarten den Satz „Du bist nie mehr mein Freund/meine Freundin“? Eine halbe Stunde später sieht man die beiden dann wieder einträchtig gemeinsam spielen. Bei Kindern ist das Unterbewusstsein in der Regel noch nicht mit vielen ablehnenden Erfahrungen gespickt, so dass die der Satz „Du bist nie mehr meine Freundin“ gar nicht erst andocken kann und damit auch nicht als emotional belastend eingeordnet wird.

Im Erwachsenenalter haben wir aber oftmals schon einen ganzen Rucksack mit negativen und ablehnenden Erfahrungen auf dem Rücken. Jeder in der Beziehung hat seinen eigenen Rucksack mit seinen eigenen Erfahrungen. In Beziehungen hören wir aber erst einmal nur unsere eigene innere Stimme und unterbewusst erinnern wir uns an Situationen die früher ähnlich verlaufen sind. Unser Gegenüber hat aber auch einen eigenen Rucksack auf dem Rücken mit seiner eigenen inneren Stimme und seinen eigenen Erfahrungen im Gepäck. Wir können den Rucksack des anderen nicht vollständig einsehen und verstehen, wir können aber Annehmen und Akzeptieren was gerade sichtbar ist – dem Anderen zeigen, dass er ok ist, genauso wie er ist. Ich zitiere dazu gerne Thomas Weil, der sagte „Wir sind durch Beziehung krank geworden. Also werden wir auch durch Beziehung, heilsame Beziehungserfahrungen, wieder gesund.“

Echte, tiefe Beziehungserfahrungen sind nicht an äußere Bedingungen geknüpft und damit frei von Abhängigkeiten und genau dies ist es doch, was viele sich wünschen – um seiner selbst geliebt werden und nicht weil man eine von den vielen Rollen die man im Alltag ausfüllt, entspricht. Wenn ich meine Rollen aufzähle, dann bin ich Mutter, Ehefrau, Therapeutin, Yogalehrerin, Entspannungstrainerin, Hausfrau, Putzfrau, Köchin, Kindertaxi – je länger ich darüber nachdenke umso mehr Rollen fallen mir ein aber trotzdem bin ich doch immer noch ich. Zwischen all den Rollen und auch in jeder Rolle steckt ein Teil von mir. Welche Rollen erfüllst Du? Und in welchen Rollen bestehen für Dich Abhängigkeiten?

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